Maserati – Inventions for the new season CD/2xLP

1. Inventions
2. 12_16 >> mp3
3. Kalimera
4. Synchronicity IV
5. This is a sight we had one day from the high mountain
6. Show me the season
7. Kalinihta
8. The world outside

Reviews

Sweet Jane Music
(http://www.sweetjanemusic.com/review.php?datensatz=2836 )

Von Maserati dürfte man hier zu Lande noch keinerlei Notiz genommen haben, was sich jedoch im März/April diesen Jahres ändern wird, denn dann wird die Band zusammen mit Ostinato auf Tour gehen, um sich auch in Europa einen festen Namen zu erspielen. Und auch die Mitglieder dieser Band dürften einem jeden bekannt vorkommen, haben sich diese doch zuvor in Bands wie Now It’s Overhead, !!! und Turning Machine verdingt.

Dass sich der Vierer aus den Staaten aus keinerlei Neulingen des Genres zusammen setzt, kann man der Band bereits nach den ersten Minuten Spielzeit von “Inventions For The New Season”, dem bereits dritten Longplayer von Maserati attestieren. Man spürt, dass die Band genau weiß, wohin sie gehört und wohin sie will. Ohne Sänger und mit rein instrumental gehaltenem, stets melodischem Indierock, spielen sich Maserati durch irre verträumte Sphären, in denen man glatt verloren gehen könnte. Ein Song wie “Synchronicity IV” entführt den Hörer in wahnwitzige Höhen und zieht ihn binnen weniger Minuten auch wieder hinab ins kalte Schwarz. Was dieser Band trotz eines nicht vorhandenen Frontmanns definitiv nicht fehlt, ist tatsächlich Charakterstärke und Inhalt. Gibt man sich in der einen Minute noch episch-fragil, da wird dem Song in der nächsten schon mit einem Bongo-Finale über die letzten Hundert Meter geholfen. Und auch “12_16” geleitet den Hörer durch emotionale Höhen und Tiefen und erinnert dabei in seiner Anlage stets an die Qualitäten einer Band wie Antarctica (ehemals Christie Front Drive).

Maseratis “Inventions For The New Season” stellt das erste Release des Braunschweiger Golden Antenna-Labels dar. Und eben dieses darf man als in jedweder Hinsicht geglückt erachten, denn wenn instrumental gehaltene Songs durch Aussage glänzen können, dann hat man schon ungemein viel richtig gemacht.

Antithesis
(http://shallbejudged.blogspot.com )

Manchmal sollte meine Ignoranz gestraft werden! Ob ich den Arsch offen habe, habe ich mich so eben gefragt, nachdem ich Maserati bisher konsequent ignoriert hatte (was auf verdammt viele Sachen in letzter Zeit zutrifft1). Dies ist bereits das achte Release dieses US Vierers. Und während ich beim NEU! Posting noch genervt über den aktuellen Trend, den Krautrock aus Peergroupgründen neu zu entdecken, hergezogen bin, zitieren Maserati seit bald 6 Jahren konsequent, gekonnt und ohne nerviges 1:1-Kopieren.

Maseratis Stücke sind komplett instrumental gehalten und ich frage mich, ob dies nicht auch ein Grund für den fehlenden Bekanntheitsgrad der Band ist (abartige diese Hörgewohnheiten von Rockhörern2), der Band schadet es kein bisschen, denn „Inventions for the new season“ (ich muss unbedingt den anderen Kram hören) ist – auf Muckerneudeutsch – einfach tight. Die Songs bauen sich meist stoisch und loopartig mit klaren Gitarrenriffs auf, der Bass kracht dröhnend, im Hintergrund baut sich eine Dronewand auf, diese flacht ab und alles löst sich auf, der Bass spielt einen klaren Lauf und ständig varieren die Gitarrenloops, während im Hintergrund sich wieder diese Wand aufbaut. Hammer! Agitation Free (auch meist ohne Gesang!), Can oder auch Harmonia sind Bands, die mir bei dieser Art von Songwriting sofort einfallen. Maserati sind jedoch teilweise etwas glatter als vor allem die zwei Erstgenannten, die um einiges hektischer und abgedrehter waren, was aber vielleicht auch einfach am Zeitkontext, den technischen Möglichkeiten damals und auch am Drogenkonsum liegt. Was diese Krautrock Originale an Unvorhersehbarkeit und Überzeugungstäter & Enthusiasmus Galore heutigen Sachen voraus hatten, machen Maserati durch ihr Songwriting wett bzw. spielen mit festgefahrenen Hörgewohnheiten: bei „12_16“ geht man davon aus, dass der Song sich schleppend fortzieht und noch melancholischer wird und plötzlich löst ein kurzer Snarewirbel alles auf und ein klarer, melodischer Part dreht das ganze Stück, genau dieser Part führt direkt in einen noch schleppenderen Teil, der in einem treibenden Schluss landet (hat jemand Ash Ra Temple gesagt?). In ihren melancholischeren Momenten musste ich oft an das erste und letzte Stück von Pink Floyds „Meddle“ Scheibe und natürlich das „Wish You Were Here“ Album denken, jedoch alles eine Spur härter und in aktuellem Soundgewand. „Synchronicity“ hat anfangs ein bisschen ein Fusionfeeling3. Bei Maserati jedoch ohne den Improvisationscharakter vom Schlage „Bitches Brew“, sondern straighter und viel mehr auf der Rockseite, so wie Fusionelemente später im No/New Wave Einzug hielten. A Certain Ratio fallen mir hier zum Beispiel ein. Auch bei Maserati gibt es davon Versatzstücke, z.B. wenn die Bassläufe nach einem sich steigernden Gitarrenintro einsetzen. Eine Band die dies sich bei all den New Wave Bands der ersten Stunde gut abgeschaut hat, sind Outhud, deren erstes Album auf Kranky – würde man die elektronischen Spielereien weglassen – mich auch in manchen Momenten an Maserati oder anders rum erinnert, bloß dass Maserati einen wesentlich dichteren, vielschichtigeren Sound haben (auch dass Outhud meist instrumental sind und viel Kraut zitieren, trägt zu meinem Vergleich bei). Als Konsequenz: Maserati sind die besseren, weil interessanteren, abwechslungsreicheren Outhud und wer deren ersten Sinles und S.t.r.e.e.t.d.a.d. (der Kram danach ist eh scheiße) mag, muss hier zugreifen. !!! könnten auch als Namedropping fallen bzw. deren weniger Spast-mäßigen Stücke der ersten LP. Vor allem das erste Stück „Inventions“ hat sehr viel davon.

An zwei Tagen inkl. der ganzen Nacht lief diese CD nun ca. 20 Mal. Bombe! Schön, dass Musik für mich im Jahre 2006 spannend bleiben kann. Mehr gibt es nicht zu sagen.

Muss ich mir beim Posten von T-Shirts schon keinen Kopf mehr machen, was ich hören werde. Das Europa Release von dem Album erscheint demnächst bei Golden Antenna und ist gleichzeitig der Labelerstling; in Australien bei Sugar Rush Records.

1 weniger T-Shirts posten, japanischen Noisecore, Robotermusik und Art Ensemble Of Chicago hören, Du Sack!

2 kurz als Fan: eine Band, die auch darunter zu leiden hat, sind American Heritage, die wahrscheinlich mit Genre üblichen Gesang, nur noch abräumen würden, stecken sie instrumental doch den Großteil der Helden in die Tasche.

3 not just white men’ s trash!